Ursprünglich ist der Parc im Stil Le Notres angelegt. Danach wurde er zu einem Landschaftspark nach englischem Vorbild umgestaltet. Das Schloß und die anderen Gebäude sind in gutem Zustand. Um das ganze Anwesen führt ein Wassergraben. Wir begegnen dort eindrucksvollen Bäumen aus dem vorigen Jahrhundert. Taxodium distichum, Sequoiadendron giganteum, Cedrus libani, Liridodendron tulipifera. 1980 wurde ein Teilbereich von 8 Hektar von Timothy Vaughn, einem Wissley Schüler, umgestaltet. Bald darauf wurde die Gesellschaft der "Parcs Botaniques de France" gegründet.

Die Gründungsmitglieder überzeugten die Besitzer des Anwesens (O.und P. de Nervaux - Loys), einen Ort der Begegnung und eine Art Tauschbörse für Pflanzensammler zu veranstalten. Alles hat sich rasch entwickelt. Mittlerweile gibt es etliche Kommitees und das Zertifikat "empfohlen von Courson" ist eine hohe Auszeichnung. Die gesamte Veranstaltung ist ohnehin "very british". Es kommen auffallend viel Engländer zu Besuch. Kein Wunder, die Fahrt von London durch den Tunnel nach Paris dauert ja nur zwei Stunden.

Der Eintrittspreis beträgt 12 €. Aber noch heute ist es so, daß am ersten Tag, am Freitag, nur geladene Gäste Einlass finden. Vielfach sind es Damen, die mit ihrem eigenen Gärtner kommen. Wahrscheinlich steht draussen ein Lieferwagen. Am Samstag kommen dann viele Gartenbesitzer mit gehobenen Ansprüchen, am Sonntag macht man auch einen Familienausflug.
Courson ist in jeder Hinsicht einzigartig in Europa, sowohl was das Publikum anbetrifft, als auch bei der Wahl der Aussteller, die von einem strengen Komitee ausgewählt werden. Auch das Catering hat das entsprechende Niveau. Die Besucher sind überwiegend Leute, bei denen der Garten zur Passion geworden ist.
An den drei Tagen zählt man insgesamt etwa 30 000 Besucher. Die Organisation ist bestens. Es stehen reichlich Parkplätze zur Verfügung. Und falls es regnen sollte, das gab's schon, auch ein paar Traktoren, die die Limousinen von der Wiese auf festen Grund schleppen. Die Beschilderung ist übersichtlich und die vielen Mitarbeiter sehr zuvorkommend. Die Atmosphäre ist sehr familiär, fast etwas "british". Die Schlossbesitzer kennen ihre Aussteller und viele ihrer noblen Besucher persönlich.

Während der JOURNEES
DES PLANTES gibt es auch Fachvorträge.
Ein ständiger
Gast ist Roy Lancaster, den jeder Pfanzenfreund
in England kennt. Er hat sein soeben erschienenes
Buch "China, A Plantsman`s Paradise" signiert.
Alle ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland,
wo adlige Schlossherren versuchen Courson zu kopieren
und damit ihre Kasse aufzubessern, sind nicht
annähernd auf dem gleichen Niveau. Courson
ist einzigartig und eine Reise wert.
Wolfgang Eberts