Dort befindet sich das ansehnlichste Bambuswäldchen Deutschlands. Es handelt sich um Phyllostachys viridiglaucescens. Über die Ausdehnung braucht man weiter nichts zu sagen, wenn man weiß, dass sich dieser Bambus seit 1905 am Platz befindet bzw. sich über nahezu ein Jahrhundert ausdehnen konnte. Die größten Halme erreichen 10 Meter, ihr Durchmesser beträgt knapp 50 Millimeter.
An einer anderen Stelle des Parkes steht Pseudosasa japonica, eine Fläche von der Größe eines Tennisplatzes. Vor gut zehn Jahren haben diese geblüht und sahen über mehrere Jahre hinweg schlimm aus. Ich hätte gewettet, dass sich die Pflanze verabschiedet. Falsch geraten, dieser Hain strotzt erneut vor Wüchsigkeit und zeigt sich in üppigem Grün.
Im Süden des Parkes kann man ein Riesenexemplar von Fargesia nitida bewundern. Auch diese Einzelpflanze hat eine Grundfläche von gut 30 Quadratmeter und steht dort seit 1905. Und keine Spur von Blüte. Interessant ist , dass mir vor Jahren ein Heft der damaligen Europäischen Bambusgesellschaft in die Hände gekommen ist. Ausgabe 1905, mit schwarz weiß Aufnahmen aus dem Schlosspark. Man erkennt die Standorte heute noch leicht. Die Kleider der davor abgebildeten Personen waren damals sehr viel üppiger. Text in deutsch und englisch. Es gab zu jener Zeit schon Bambusfreunde, die organisiert waren und untereinander Kontakt hielten. Freilich nicht per e-Mail.
Der gesamte Schlosspark ist letzt leider in einem eher desolaten Zustand. Das alte Gemäuer wurde von einem Hotelkonzern gekauft, man wird sich dranmachen und restaurieren. Kein leichtes aber mit Sicherheit ein aufwendiges Unterfangen.


Man wird aber auch einen neuen Bettentrakt neben dem alten Gebäude im Park errichten. Alles weit besser als die ursprünglich mal geplanten Eigentumswohnklötze. Diese wären das Aus für den Park gewesen. Jetzt wird der größte Teil des wertvollen Baumbestandes
gottlob erhalten bleiben. Es stehen dort sagenhafte Bäume wie z.B. eine riesige Davidia involucrata (Taschentuchbaum), Sequoiadendron sempervirens (der bei uns seltene Küstenmammutbaum), Picea breweriana (Schleppenfichte).
Man könnte die Liste der botanischen Raritäten noch lange fortsetzen.Die Aufzählung wäre aber unvollständig ohne Erwähnung der mit der langtraubigen Glyzine berankten Pergola. Wisteria macrobotrys. Alleine zum Schnitt dieses blauen Traumes hatten fünf Gärtner eine Woche Arbeit. Diese Zeiten sind vorbei. Dereinst müssen Dutzende von Gärtnern dort gewirkt haben. Man kann es kaum noch erahnen. Heute ist die wertvolle Baumsubstanz nahezu unwiderruflich verloren.
Der Großherzog von Baden musste zusehen wie Sturm "Willy", - auf den wir gern verzichtet hätten - durch herabstürzende Äste wertvolle Sandsteinsäulen zerstört hat. In einer Grotte unterhalb der großen Mauer, ist das Mosaik aus bunten Natursteinchen derart abgeplatzt, dass man die Schönheit des Ursprungszustandes sich kaum noch ausmalen kann. Es wäre ein Glücksfall wenn die neuen Eigentümer ein Gespür hätten für das dortige Kulturerbe und auch bereit wären einen Teil dieser Schönheit zu bewahren.
Melina und Fabian waren fasziniert vom Besuch dieser Märchenwelt und hofften in der Grotte das Schlossgespenst zu sehen. Am helllichten Tag bekamen sie es jedoch nicht zu sehen. Dafür sahen sie ein Bambusrhizom, welches sich zwischen die Mauern reingeschlichen hatte. Melina fand die reifen Brombeeren köstlich. Und sie fand viele Saatkapseln, die sie mit nach Hause genommen und zwischenzeitlich getopft hat. Die beiden haben bereits eine stattliche Sammlung von Pflänzlein, die sie eigenhändig betreuen.
Wolfgang Eberts